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Herr Knigge lässt grüßen

Von Gabriela Quarg

 

Heisterbacherrott. Wann darf man sich in einem Restaurant die Serviette vom Tisch nehmen? In welchen Fällen ist es erlaubt, Suppe zu trinken? Und wie halte ich meinen Teller korrekt, wenn ich mich am Büffet anstelle? Beim Essen kann man so allerhand falsch machen.

 

Und da Hans bekanntlich nimmer mehr lernt, was er nicht bereits als Hänschen gelernt hat, ist es wichtig, sich möglichst schon in ganz jungen Jahren mit Tischmanieren vertraut zu machen.

Dass das alles andere als "spießig" ist, sondern sogar richtig Spaß machen kann, erfuhren acht Jungen und Mädchen im Alter zwischen neun und 14 Jahren am Samstag beim Kniggekurs, den das Familienzentrum Menschenkinder eigens für Kinder und Jugendliche im evangelischen Gemeindezentrum in Heisterbacherrott angeboten hatte.

 

Zur Person Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge, geboren am 16. Oktober 1752, war ein deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Bekannt wurde er durch seine Schrift "Über den Umgang mit Menschen". Sein Name steht heute stellvertretend für Ratgeber wie "Der große Knigge", der auch heute noch allgemein als das Referenzwerk für moderne Umgangsformen im deutschsprachigen Raum angesehen wird.

 

Um es vorweg zu nehmen: Die Serviette wird aufgefaltet, wenn der Kellner die Bestellung aufgenommen hat. Suppe darf dann getrunken werden, wenn es sich um klare Brühe handelt, die in einer kleinen Tasse mit Henkel serviert wird.

Und beim Anstellen an Büfett sollte der Teller keinesfalls vor den Bauch gedrückt werden. "Ihr müsst mal beobachten, wie viele Erwachsene das falsch machen", verrät Christiane Plöger augenzwinkernd. Die zertifizierte Etikettetrainerin weiß, welchen hohen Stellenwert gutes Benehmen heutzutage wieder einnimmt, dass eben dieses aber vom Elternhaus allzu häufig vernachlässigt wird.

 

"Das verschiebt man gerne von heute auf Morgen. Gute Umgangsformen werden meist nicht mit der nötigen Konsequenz eingeübt und eingefordert." Vor allem in Sachen Tischmanieren gibt es allerhand zu bemängeln, allem voran die berühmten "aufgestützten Ellenbogen".

"Es darf nicht mehr als die Handkante auf dem Tisch liegen", erklärt Plöger den Kindern. Zuvor haben Adrian, Paula, Moritz und die anderen bereits das korrekte Sitzen auf dem Stuhl geübt - mit Hilfe einer Plüschkatze und einer Stoffmaus: Die Stoffmaus darf es sich zwischen Rücken und Stuhllehne bequem machen, während der korrekte Sitzabstand zum Tisch exakt eine Plüschkatzen-Breite beträgt. "Das Besteck wird immer von Außen nach Innen benutzt", so viel wissen die jungen Kursteilnehmer schon und nehmen Messer und Gabel in die Hand - nur leider falsch.

 

Von acht Kindern hält lediglich Nina das Besteck richtig in den Fingern, ansonsten ist von der sogenannten "Bleistifthaltung" bis hin zu abgespreizten Fingern so ziemlich alles vertreten, was man am Tisch eigentlich nicht sehen möchte. "Mein Papa hat mir das aber so gezeigt", entschuldigt sich ein Junge. "Dann kannst du es ihm heute Abend richtig beibringen", ermuntert ihn Plöger und sorgt somit sofort für beste Stimmung.

 

Die Kursleiterin legt großen Wert darauf, "nicht wie eine Gouvernante vor den Kindern zu stehen", sondern sie spielerisch und mit viel Spaß an gutes Benehmen heran zu führen. Darum konnten die Teilnehmer das Erlernte dann auch mittags bei einem dreigängigen Mittagessen gleich in die Tat umsetzen.

Artikel vom 26.01.2011