Kölnische Rundschau

 

Benimm-Kurs

Gutes Benehmen hat sie im Blut

Von Dieter Wolf, 17.01.11, 07:03h

Gebannt schaut Monika Straßer auf ihr Besteck. Sie weiß: Theorie ist das eine, Praxis das andere. Die 18-jährige Schülerin aus Bergheim hat sich bei einem Benimm-Kurs von ihrer Lehrmeisterin Christiane Plöger alles genau beibringen lassen.

 
Benimmkurs
Ernstfall bei Tisch: Christiane Plöger (l.) erklärt Monika Straßer das richtige Benehmen beim Essen. (Bild: Wolf)

 

PULHEIM - Gebannt schaut Monika Straßer auf ihr Besteck. Sie weiß: Theorie ist das eine, Praxis das andere. Die 18-jährige Schülerin aus Bergheim hat sich von ihrer Lehrmeisterin Christiane Plöger alles genau beibringen lassen.p>Doch trägt das Gelernte auch im Ernstfall? Und der Ernstfall ist heute Abend. Abendessen im gediegenen Restaurant von Gut Lärchenhof in Stommelerbusch. Dort, wo sich mitunter die Weltstars der internationalen Golfszene bedienen lassen, sitzt sie nun und wartet aufs Entree: Thunfisch mit Wasabi-Gurkensalat. Ob die Golfprofis mit ihren Messern genauso gut umgehen können wie mit dem Neunereisen? Nach dem Ende eines Lehrgangs bei Benimmtrainerin Christiane Plöger geht es an diesem Abend nun darum, alles richtig zu machen. Jetzt, bei der Vorspeise wirkt noch alles übersichtlich. Doch wie sieht es aus, wenn gleich der gebratene Zander auf Rahmsauerkraut kommt. Christiane Plöger weiß, wie man sich zu benehmen hat, besonders bei Tisch. Und dieses Wissen möchte sie verbreiten. Dabei geht es nicht allein darum, das richtige Glas für richtigen Wein zu benutzen, wie man eine Schreibe Brot mit Butter bestreicht oder wie man Tasse und Sektglas hält. „Zurzeit besteht ein riesiger Andrang auf die Kurse. Die jungen Menschen möchten wieder wissen, wie man sich in Gesellschaft richtig verhält“, erzählt die 47-Jährige. Sie ist ein echtes Pulheimer Mädchen. Sie ist in der Stadt aufgewachsen, besuchte die Dietrich-Bonhoeffer-Grundschule, anschließend die Realschule. Schon damals verspürte sie den Wunsch, gestaltend tätig zu sein. Und das mit Menschen. Maskenbildnerin wollte sie werden. Doch so einfach ist das nicht. Wie in vielen Berufen ist auch hier profundes Fachwissen gefragt.

 

Also absolvierte sie eine Friseurlehre, die sie als Gesellin abschloss. Aber nur ein halbes Jahr werkelte sie an den Haaren der Kunden. „Ich wollte mehr“, sagt sie heute. Sie besuchte eine Kosmetikfachschule. „Nach zwei weiteren Jahren war ich staatlich geprüfte Kosmetikerin.“ Dann lernte sie ihren Mann kennen, wurde Mutter, zog nach Detmold. Doch es dauerte nicht lange, da lebte sie wieder in Pulheim. Sie übernahm eine Aufgabe für ein großes Unternehmen im Pharmazie- und Kosmetikbereich. Damit verdiente sie ihr Geld.

 

Vor knapp zwei Jahren eigene Firma gegründet

Dann sei sie „wie die Jungfrau zum Kinde“ zur Kniggegesellschaft gekommen. Sie belegte zahlreiche Lehrgänge und ist nun zertifizierte Stil- und Etikette-Trainerin. Vor knapp zwei Jahre gründete sie dann ihre eigene Firma. Sie trägt den mehrdeutigen Namen „Stilblüte“. Abgeraten habe man ihr von diesem Namen. Doch sie ließ sich nicht beirren. Nun sorgt „Stilblüte“ dafür, dass junge Menschen Stilblüten im Alltag vermeiden, sich korrekt kleiden und das Beste aus ihrem Aussehen machen. Haare und Gesicht, Kleidung und Gesprächsführung, alles müsse zu einer Einheit werden, betonte die Trainerin.

 

Dazu gehören neben dem korrekten Umgang mit vielen Bestecken und Gläsern auch Kosmetikbehandlungen sowie professionelle Farb- und Stil-Beratung. „Sie sind unsicher, wer eigentlich wen grüßt, begrüßt oder vorstellt?“ Christiane Plöger erteilt Lebenshilfe auch in „dramatischen“ Alltagssituationen: „Sie stehen mal wieder vor Ihrem vollen Kleiderschrank und haben nichts zum Anziehen, weil irgendwie nichts zueinander passt?“ Die 47-Jährige weiß Rat. Sie macht Jugendliche fit für Bewerbungsgespräche, für Berufs- und Alltagssituationen, verleiht Sicherheit im Auftreten bei gesellschaftlichen Ereignissen. In ihren Seminaren werden Situationen nachgestellt, an praktischen Beispielen trainiert.

 

Das klingt mühsam, ist aber offenbar nicht so. Plöger hat festgestellt: „Das macht den Leuten riesigen Spaß.“